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Hautanalyse in der Akne-Sprechstunde, was die UV-Aufnahme wirklich zeigt

Porphyrine, Poren-Counts und die Verlaufs-Dokumentation bei Isotretinoin-Therapie. Wir gehen entlang des typischen Akne-Befund-Workflows durch, was eine 3D-Hautanalyse zeigt, was sie nicht zeigt, und wo die Grenzen für Diagnose und Werbung liegen.

Aktualisiert am 23. Mai 2026 · 7 Min. Lesezeit

Akne ist eine der häufigsten Indikationen für die Hautanalyse in der dermatologischen Sprechstunde. Patient:innen kommen oft mit langem Vorlauf an topischer Therapie und wollen sehen, ob die Sprechstunde substanziell etwas Neues bringt. Die 3D-Hautanalyse mit UV-Modus liefert dazu drei Bausteine: Porphyrine als Bakterien-Indikator, quantifizierte Poren-Klassifizierung und Oberflächen-Mapping. Was sie nicht liefert, ist mindestens genauso wichtig.

Was die UV-Aufnahme zeigt: Porphyrine als Bakterien-Marker

Propionibacterium acnes (heute auch Cutibacterium acnes) im Talgdrüsen-Follikel produziert Porphyrine als Stoffwechsel-Nebenprodukt. Diese Porphyrine fluoreszieren unter 365-nm-UV-Licht im roten Spektrum bei 580 bis 680 nm. Auf der UV-Aufnahme erscheinen sie als hellere Punkte über den Follikeln. Eine erhöhte Porphyrin-Dichte in T-Zone und Nasolabial-Region korreliert mit erhöhter Bakterien-Aktivität, ist aber kein Diagnose-Ersatz: die Korrelation zwischen Porphyrin-Signal und klinischer Akne-Schwere ist nicht 1:1, weil auch andere Faktoren (Talg-Sekretion, Follikel-Verstopfung, Entzündungs-Reaktion) das Bild prägen.

Praxis-Nutzung: Die UV-Aufnahme ist ein guter Gesprächs-Einstieg. Patient:innen sehen die Verteilung der bakteriellen Aktivität auf der eigenen Haut, das macht abstrakte Empfehlungen zu Pflege-Routine, BPO-Anwendung oder Antibiose plausibler. Sie ist nicht der Diagnose-Beweis, sondern Visualisierung.

Was die polarisierten Aufnahmen zeigen: Poren und Oberfläche

Cross-polarisierte Aufnahme reduziert Oberflächen-Glanz und macht die Tiefen-Struktur sichtbar. Der Algorithmus zählt Poren in drei Größenklassen (groß, mittel, klein) und mappt sie auf die anatomischen Regionen. Bei Akne-Patient:innen mit Komedonen-Schwerpunkt sehen Sie eine erhöhte Anzahl in der T-Zone, oft begleitet von hyperkeratotischer Oberfläche, die in der Standard-RGB-Aufnahme zu fein für das Auge ist.

Parallel-polarisierte Aufnahme zeigt das Gegenteil, die Lichtreflexion. Das ist die Sicht, in der entzündliche Akne-Läsionen (Papeln, Pusteln) optisch dominieren. Praxen nutzen diese Aufnahme oft im Erstgespräch, weil sie der Selbst-Wahrnehmung der Patient:in entspricht.

Was die Hautanalyse nicht zeigt

Drei wichtige Befund-Bereiche bleiben für die ärztliche Anamnese und Inspektion reserviert, das Gerät hilft hier nicht:

  • Hormonelle Auslöser: PCOS, Androgen-Profil, Zyklus-Korrelation. Diese werden anamnestisch und ggf. labordiagnostisch geklärt, nicht über Bildgebung.
  • Akne inversa (Hidradenitis suppurativa): Die typischen Lokalisationen in Axilla, Leistenregion, submammär sind durch eine Gesichts-Hautanalyse nicht erfasst. Die Indikation braucht eigene klinische Untersuchung.
  • Narben-Tiefe und -Typ: Boxcar, Icepick und Rolling-Narben unterscheiden sich morphologisch. Die 3D-Topographie zeigt das Höhenprofil, aber die Histologie und die Tiefen-Auflösung sind begrenzt durch die Mikrometer-Modellierung (siehe Hersteller-Spezifikation in unserem Geräte-Vergleichs-Artikel).
  • Differentialdiagnose Rosacea papulopustulosa: Optisch ähnlich, klinisch anders, wird über Erythem-Verteilung und Telangiektasien-Muster abgegrenzt, nicht über Porphyrin-Signal.

Verlaufs-Dokumentation bei systemischer Akne-Therapie

Isotretinoin ist Standard für mittelschwere bis schwere Akne, die auf topische Therapie und systemische Antibiose nicht ausreichend anspricht. Übliche Dosis 0,5 mg/kg Körpergewicht pro Tag mit individueller Steigerung bis 1,0 mg/kg pro Tag. Während der Therapie ist die Haut UV-empfindlich, Sonnenschutz ist Pflicht. Quelle: Roter Hand Brief und Fachinformation.

Die Hautanalyse trägt zur Verlaufs-Dokumentation in drei Punkten: erstens die Porphyrin-Dichte über die Therapie-Monate (bei wirksamer Isotretinoin-Behandlung erwartet man eine Reduktion, weil die Talg-Drüsen-Aktivität sinkt und damit die Bakterien-Population abnimmt). Zweitens die Poren-Counts in der T-Zone. Drittens, bei längerer Behandlung, das Hauttextur-Mapping als Indikator für Narben-Bildung.

Wichtig: Die Daten gehören in die Patient:innen-Akte und in das Beratungs-Gespräch, sie sind keine öffentliche Werbung. Vorher-Nachher-Bilder für Akne-Therapien fallen unter das Werbeverbot des § 11 HWG, seit dem BGH-Urteil vom 31.07.2025 (Az. I ZR 170/24) gilt das auch für minimal-invasive Eingriffe. Verlaufs-Dokumentation in der Akte bleibt zulässig.

IGeL oder GKV?

Die Hautanalyse selbst ist nicht im EBM-Leistungskatalog, sondern eine individuelle Gesundheitsleistung. Bei privatversicherten Patient:innen rechnen Sie nach GOÄ A612 ab (2,3-facher Satz mit medizinischer Indikation). Bei GKV-Patient:innen kommt die Hautanalyse als IGeL-Leistung mit schriftlicher Aufklärung und Patient:innen-Einwilligung. Details zur Abrechnung in unserem GOÄ-Artikel.

Praxis-Setup für die Akne-Sprechstunde

Wir empfehlen folgenden Ablauf in der Erstkonsultation. Anamnese und klinische Inspektion zuerst, ohne Gerät, weil die Bewertung der Akne-Schwere (Mild, Moderat, Schwer) klinisch erfolgt. Danach Hautanalyse als ergänzende Befund-Dokumentation, etwa 5 Minuten. Im Befund-Gespräch erklären Sie die UV-Aufnahme zuerst (Porphyrin-Verteilung), dann die Poren-Klassifizierung, dann die geplante Therapie. Patient:innen bekommen den Link zum eigenen Befund per E-Mail, mit den Werten für die spätere Verlaufs-Vergleichung.

Quellen und weiterführende Links

Stand: Mai 2026. Dieser Artikel ist Fachinformation für ärztliche und ästhetische Praxen, keine ärztliche Beratung für Patient:innen. Therapie-Entscheidungen treffen Sie auf Basis Ihrer eigenen Anamnese, Inspektion und Diagnostik.

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