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Hauttyp nach Fitzpatrick und Individual Typology Angle, warum Laser-Praxen beide brauchen

Fitzpatrick-Hauttyp I-VI ist seit Jahrzehnten der Standard für Laser-Energie-Wahl. Der Individual Typology Angle (ITA°) liefert dazu eine objektive, geräte-basierte Ergänzung im CIELAB-Farbraum. Wir gehen durch, was beide Skalen leisten, wo sie sich unterscheiden und wie eine Praxis sie zusammen für sichere Laser-Vorbereitung nutzt.

Aktualisiert am 24. Mai 2026 · 7 Min. Lesezeit

Die Hauttyp-Bestimmung vor jeder Laser- oder IPL-Behandlung ist Sicherheits-Standard, nicht Komfort-Frage. Ein zu hoher Fluenz-Wert bei dunkler Haut führt zu Verbrennung und postinflammatorischer Hyperpigmentierung; ein zu niedriger Wert bei heller Haut führt zu Wirkungslosigkeit. Die klassische Skala ist Fitzpatrick, die jüngere objektive Ergänzung ist der Individual Typology Angle (ITA°). Wir erklären beide und zeigen, wie sie sich in einem digitalen Hautbefund kombinieren lassen.

Fitzpatrick-Hauttyp I bis VI

Thomas Fitzpatrick führte 1975 ursprünglich eine vierstufige Skala ein, später auf sechs Stufen erweitert. Die Klassifizierung basiert auf der Selbsteinschätzung der Patient:in zur Reaktion der Haut auf 30 bis 45 Minuten unverstellte Mittagssonne nach längerer Lichtkarenz:

  • Typ I: immer Sonnenbrand, nie Bräunung. Sehr helle Haut, rote oder hellblonde Haare, blaue Augen, Sommersprossen.
  • Typ II: immer Sonnenbrand, manchmal leichte Bräunung. Helle Haut, blonde Haare, grüne oder blaue Augen.
  • Typ III: manchmal Sonnenbrand, langsame Bräunung. Mittlere Haut, braune Haare, mittlere Augenfarbe.
  • Typ IV: selten Sonnenbrand, schnelle Bräunung. Olivfarbene Haut, dunkelbraune Haare, braune Augen.
  • Typ V: sehr selten Sonnenbrand, immer dunkle Bräunung. Dunkel pigmentierte Haut, dunkelbraune oder schwarze Haare.
  • Typ VI: nie Sonnenbrand, dunkelste Pigmentierung. Schwarz pigmentierte Haut, schwarze Haare.

Kritik am Fitzpatrick-Schema: Selbsteinschätzung ist subjektiv, vor allem bei Mischtypen oder bei Patient:innen ohne klare Sommer-Erfahrung. In Studien an afrikanischen und südasiatischen Populationen wurde gezeigt, dass Fitzpatrick die Pigment-Verteilung nicht eindeutig differenziert, weil die Skala ursprünglich auf europäische Hauttypen kalibriert war.

Individual Typology Angle (ITA°)

Der ITA° ist ein objektiver Mess-Wert, kein Fragebogen-Ergebnis. Er wird im CIELAB-Farbraum berechnet aus L* (Lightness, Helligkeit) und b* (Gelb-Blau-Achse) nach der Formel ITA° = arctan((L* − 50) / b*) × 180 / π. Das Ergebnis ist ein Winkel in Grad, der in sieben Kategorien einteilt: very light, light, intermediate, tan, brown, dark, very dark.

Vorteile gegenüber Fitzpatrick: objektive Mess-Größe, reproduzierbar zwischen Praxen und Behandler:innen, kontinuierlich (Winkel-Wert) statt grob diskret (6 Stufen). Vorteile von Fitzpatrick: schneller im Anamnese-Gespräch, gut etabliert in Laser-Hersteller-Empfehlungen, deckt das Reaktions-Verhalten der Haut auf UV ab, was reines Pigment-Maß nicht direkt liefert. Beide Skalen ergänzen sich, sie ersetzen sich nicht.

Was die Hautanalyse zum Hauttyp beiträgt

Eine 3D-Hautanalyse mit Multispektral-Aufnahme liefert die Roh-Daten für die ITA°-Berechnung. Aus der RGB-Aufnahme wird das durchschnittliche L* und b* pro Region bestimmt, der Algorithmus rechnet daraus den ITA° für die Wangen-Region als Standard-Messlocation. Praktisch heißt das: die Praxis erhält den ITA° direkt aus dem Befund-Workflow, ohne separates Kolorimeter, und kann ihn der klinisch erhobenen Fitzpatrick-Klassifikation gegenüberstellen.

Wichtig: der ITA° ist gerätespezifisch kalibriert. Wenn die Aufnahmen unter wechselndem Umgebungslicht entstehen (z. B. Tageslicht durch Fenster), schwankt der Wert. Eine geschlossene Lichtkammer wie bei Isemeco D8/D9 ist die Voraussetzung für reproduzierbare ITA°-Werte zwischen Sitzungen.

Anwendung in der Laser- und IPL-Vorbereitung

Praktisches Vorgehen vor einer Laser- oder IPL-Behandlung:

  • 1. Fitzpatrick im Anamnese-Gespräch: Standardfrage „Wie reagiert Ihre Haut auf 30 Minuten Mittagssonne nach längerer Pause?" Hauttyp I bis VI dokumentieren.
  • 2. ITA° aus dem Befund: 3D-Aufnahme vor Therapie unter standardisierter Beleuchtung. ITA°-Wert pro Wangen-Region notieren.
  • 3. Abgleich: bei klarer Übereinstimmung Routine fortsetzen. Bei Diskrepanz (z. B. Fitzpatrick II nach Anamnese, aber ITA° im Tan-Bereich nach kürzlichem Urlaub) konservativ wählen, niedrigere Fluenz.
  • 4. Aktuelle Bräunungs-Erfassung: die akute UV-Exposition (Sommerurlaub, Solarium) bleibt der zentrale Risikofaktor. Eine kürzliche Bräunung verschiebt den ITA° temporär, ohne dass die Haut tatsächlich weniger UV-empfindlich ist.
  • 5. Probebehandlung: bei unklarer Konstellation eine Test-Stelle (z. B. retroaurikulär), Energie 30 % unter Standard, 24 Stunden Beobachtung.

Was die Hautanalyse nicht ersetzt

  • Klinische Risiko-Anamnese: Medikamente mit Photosensibilisierung (Tetracycline, Hypericin, Amiodaron), Hauterkrankungen (Vitiligo, Lupus), Schwangerschaft, Tattoos im Behandlungs-Areal.
  • Tatsächliche Sonnen-Exposition: der ITA° misst den aktuellen Zustand. UV-Schäden über Jahre werden aus der UV-Aufnahme separat dargestellt, das ist eine andere Achse.
  • Patient:innen-Aufklärung: Restrisiko Hyperpigmentierung, Verbrennung, Narbenbildung. Bleibt schriftliche Einwilligungs-Aufgabe vor der Behandlung.

Quellen und weiterführende Links

  • "Fitzpatrick Skin Type, Individual Typology Angle, and Melanin Index in an African Population", PDF: scispace.com
  • "Guide to the Fitzpatrick Scale and the Alternatives", PBL Magazine: pblmagazine.co.uk
  • Scarletred Vision, digitale Lösung zur ITA°-Messung (technische Hintergründe): scarletred.com
  • The Fitzpatrick Scale, EyeWiki (American Academy of Ophthalmology): eyewiki.org/Fitzpatrick

Stand: Mai 2026. Dieser Artikel ist Fachinformation für Praxen, keine Therapie-Empfehlung im Einzelfall. Konkrete Energie-Parameter und Behandlungs-Indikationen bleiben der ärztlichen Verantwortung.

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